Ab in die Erde

Die EWG verlegt jedes Jahr einige Kilometer Stromkabel unterirdisch. Teil zwei unserer Serie: die Bauplanung.

An diesem Projekt sind vier Abteilungen beim zuständigen Netzbetreiber, der SWB Netz GmbH, involviert. Wir stellen sie Ihnen in diesem Jahr nach und nach vor.

Für die Techniker, die das Stromnetz in Werther betreuen, haben die Auswirkungen Corona-Pandemie auch irgendwie etwas Gutes. „Es ist deutlich weniger Verkehr auf den Straßen, wir behindern also mit Baustellen viel weniger Menschen und können mit Vollgas am Netz arbeiten“, sagt Stefan Kronshage, Netzingenieur bei der SWB Netz und zuständig für die Leitungen und Anlagen in Werther. Der 39-Jährige leitet die Abteilung Bauplanung, die sich mit den übergeordneten Strukturen beschäftigt. „Wir betreuen die Anlagen sowie das sogenannte Zubringernetz, das aus den Haupt- und den großen Freileitungen besteht“, erklärt Kronshage.

Gräben gut abstützen

Damit eine Freileitung am Ende in die Erde verlegt wird, arbeitet die Abteilung Bauplanung mir zertifizierten Tiefbauunternehmen zusammen. Die Zertifizierung ist notwendig, weil man sich zum einen mit dem Untergrund auskennen muss und zum anderen mit den Medien Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Telekommunikation. „Die Tiefbauer, mit denen wir zusammenarbeiten, wissen, dass sie sich in einem Korridor befinden, in dem viel Versorgungsinfrastruktur liegt. Das sind sensible Bereiche und ohne ein Querprofil vorab kann man nicht arbeiten“, erklärt der Netzingenieur. „Schließlich muss der Tiefbauer in der Lage sein, einen Kabelgraben seitlich abzufangen, damit nichts einstürzt, während die Monteure im Graben arbeiten. Man kennt das doch, wenn man als Kind im Sand Burgen gebaut hat. Die Seiten der Gräben brechen gern ein. Das wollen wir unbedingt vermeiden.“

Stefan Kronshage arbeitet als Netzingenieur in der Bauplanung. Seine Abteilung ist als zweite am Zug, um den Rückbau der Freileitungen in Werther umzusetzen.

Der Plan gibt erste wichtige Informationen. Doch für eine neue Kabeltrasse fährt Stefan Kronshage
immer nach Werther und schaut sich vor Ort die Möglichkeiten an.

Ein Jahr im Voraus planen

Stefan Kronshage beginnt dann mit seiner Arbeit, wenn die Kollegen aus der Grundsatzplanung fertig sind. Von ihnen bekommt er zwei Punkte genannt: Punkt A und B. Seine Aufgabe lautet: Wie komme ich auf kürzestem Weg von A nach B, bleibe dabei aber auf öffentlichen Straßen und Wegen? „Ich muss die Alternative zur Freileitung in der Erde finden. Das bedeutet in den meisten Fälle, dass wir längere Strecken Kabel verlegen müssen, weil eine Freileitung ja eher dem Prinzip Luftlinie entspricht“, erklärt Kronshage. Und es gilt noch mehr zu beachten: Zum Beispiel, dass Freileitungen wie Perlenketten aufgebaut sind. Diese statischen Gebilde funktionieren nur im richtigen Gleichgewicht. Teile einfach herauszunehmen, das geht nicht. Es müssen also immer gleich ganze Straßenzüge betrachtet werden.
Zum Team von Stefan Kronshage gehören deshalb auch Planer, die sich vor Ort mit der Umgebung vertraut machen, mögliche Trassenführungen prüfen und eine Machbarkeitsanalyse erstellen. Grundsätzlich plane das Team immer ein Jahr im Voraus. „Es gibt Arbeiten, die passen gut ins Frühjahr, andere in den Sommer oder in den Herbst. Mit dem Weitblick gelingt es uns gut, alles prima zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. Schließlich ist unser Ziel, die Wertheraner*innen nur so kurz wie nötig durch Baustellen, geänderte Straßenführungen oder zusätzliche Ampeln einzuschränken“, erklärt Kronshage.

Alles dokumentieren

Aktuell arbeiten der Netzingenieur und sein Team an der Trassenführung auf der Borgholzhausener Straße. „Im vergangenen Jahr haben wir bereits 1,1 Kilometer Freileitungen in die Erde verlegt. In diesem Jahr werden es noch einmal 1,5 Kilometer, für die wir 2,3 Kilometer Erdkabel benötigen.“ Der eigentliche Rückbau der Freileitungen ist dann für 2021 geplant. Jede Veränderung im Stromnetz muss zusätzlich genau dokumentiert werden. In einem geographischen Informationssystem halten Stefan Kronshage und seine Kollegen die neu verlegten Leitungen fest. Dazu gehören nicht nur geographische Daten, sondern auch Informationen in welcher Tiefe die Kabel liegen, welches Material verwendet wurde und wann genau sie verlegt wurde. Im gleichen Zug müssen die alten Freileitungen, die zurückgebaut sind, aus diesen Plänen entfernt werden. „Wir benötigen immer einen aktuellen Stand bei diesen Plänen, da sie für verschiedene Baumaßnahmen genutzt werden“, erklärt Kronshage.