Ab in die Erde

Die EWG verlegt jedes Jahr etliche Kilometer Stromkabel unterirdisch. An diesem Projekt sind vier Abteilungen beteiligt.

Wir stellen sie Ihnen nach und nach vor. Ausgangspunkt: die Grundsatzplanung. In Werther gibt es noch etliche Stromleitungen, die gut sichtbar als Freileitungen an den Straßen entlang verlaufen. Die Frühjahrs- und Herbststürme in den vergangenen Jahren haben sich an ihnen teilweise ordentlich ausgetobt. Die Folge: Stromausfälle, die für alle Beteiligten unangenehm sind. Die EWG arbeitet deshalb seit einigen Jahren daran, diese Unsicherheitsfaktoren nach und nach zu beseitigen. Dafür müssen die Stromleitungen in die Erde verlegt werden. Das ist nicht immer einfach. Insgesamt vier Abteilungen beim Netzbetreiber SWB Netz GmbH kümmern sich darum: Die Grundsatzplanung liefert erste Ergebnisse, wie es grundsätzlich gehen könnte. Danach übernimmt die Bauplanung, bevor die Kollegen an die Bauausführung übergeben und am Ende dann die Monteure die Freileitungen tatsächlich zurückbauen.

Wie eine Perlenkette

„Stromleitungen neu zu verlegen ist immer eine Herausforderung“, sagt Ingo Balzer von der Grundsatzplanung bei der SWB Netz GmbH. „Wir müssen bei allen Veränderungen im Netz das Spannungsniveau beibehalten. Sinkt es deutlich ab, merken das sogar die Kunden zu Hause, nämlich, indem die Kaffeemaschine oder der Fernseher nicht mehr funktionieren.“ Damit genau das nicht passiert, sitzt Ingo Balzer mit seinen Kollegen über den Netzplänen in Werther und plant die Arbeiten im Voraus bis ins Detail.
Freileitungen sind vergleichbar mit einer Perlenkette. Sie stellen ein statisches Gebilde dar, das nur im Gleichgewicht richtig funktioniert. „Erst wenn in einer Straße abschnittsweise die Stromkabel komplett in der Erde liegen und an das Netz angeschlossen sind, kann man die Freileitungen zurückbauen. In Abschnitten lassen sich die Freileitungen nicht aus dem Netz herausnehmen. Das macht die Arbeiten so komplex und besonders“, erklärt Balzer.

Immer entlang der Straße

Mehrere Straßenzüge in Werther haben inzwischen Erdkabel erhalten. In diesem Jahr sind weitere geplant: aktuell für die Theenhausener Straße. 700 Meter wurden hier bereits zurückgebaut, ein Kilometer folgt noch. Dafür sind rund 1,3 Kilometer Kabeltrasse notwendig. Der Längenunterschied ergibt sich daraus, dass die Freileitung ein bisschen nach dem Prinzip Luftlinie gebaut werden kann, also querfeldein, über Wiesen und Äcker. Kabeltrassen verlegt man entlang einer öffentlichen Straße, in diesem Fall parallel zur Borgholzhausener Straße.
Immer im Blick haben die Planer die Spannung im Netz. „Je länger das Kabel ist, desto mehr Verluste ergeben sich. Dass muss man bei der Planung der Trassenverläufe bereits berücksichtigen“, sagt der Netzexperte. Hinzu kommen mögliche Anlagen, die Strom ins Netz einspeisen wie Photovoltaikanlagen. Das wirkt sich ebenfalls auf das Spannungsniveau aus. „Manchmal muss man schon kleine Umwege gehen, um alle Faktoren zu berücksichtigen. Doch am Ende zahlt sich das aus. Denn Erdkabel sind langfristig gesehen die günstigere Variante, auch wenn ich ein paar Meter mehr verlegen muss.“ Schließlich spart man sich die Kosten für Instandhaltung und Reparaturen, die man bei den Masten der Freileitungen immer einkalkulieren muss.

Erst wenn eine komplette Leitungstrasse fertiggestellt ist, können die alten Freileitungen abgebaut werden.

Ingo Balzer von der SWB Netz plant mit seinen Kollegen für die EWG den Rückbau der Freileitungen.

Alles unterirdisch

Bis 2030 will die EWG mit der SWB Netz das gesamte Freileitungsnetz zurückbauen. In diesem Jahr sind verschiedene Straßenabschnitte geplant. 2021 und 2022 steht verstärkt die Anlagentechnik im Vordergrund. Der Rückbau startet dann voraussichtlich wieder in 2023. Im zweiten Teil unserer Serie zum Rückbau der Freileitungen stellen wir Ihnen demnächst die Abteilung Bauplanung vor.