Ein Museum, das passt

Ein Ort, der Besucher anspricht und zum Verweilen einlädt. Ein Museum, das hierher gehört – zur Stadt und den Menschen.

Mit diesem Anspruch entstand in Werther das Museum Peter August Böckstiegel. Ein Besuch.

Peter August Böckstiegel nannte sich selbst zu Lebzeiten einen „westfälischen Bauernmaler“. „Das sah er für sich als einen echten Ehrentitel“, erklärt David Riedel, künstlerischer Leiter des Peter-August-Böckstiegel-Museums. Heute würde man dies wahrscheinlich eher etwas provinziell verstehen. Der Künstler sah sich selbst als durchaus privilegiert, dass er in seinem Elternhaus in Werther seine künstlerischen Neigungen voll ausleben konnte. Ihm war es wichtig, den „Ausdruck seines Ursprungs“ zu geben.
„Er gehört eindeutig zu den expressionistischen Künstlern“, so Riedel. „Ihn inspirierte jeden Sommer das Erlebnis des Bauernlebens in seiner Heimat. Das hielt er in seinen Bildern fest.“ Seine Werke wirken ganz unmittelbar. Das betrifft die Wahl seiner Themen, seiner Motive und auch seiner künstlerischen Techniken.

Großes Interesse

Diese Direktheit und Unmittelbarkeit haben die Macher in die Art des Museums übertragen. „Wir wollten den Besuchern ein Erlebnis bieten und hier einen Raum schaffen, in dem sie dem Künstler ganz nah kommen können“, erklärt der künstlerische Leiter. Dazu gehört die direkte Nähe des Museums zum Künstlerhaus, dem Elternhaus von Böckstiegel. Und ebenso der tolle Außenbereich – eine parkähnliche Anlage sowie das schöne Café. „Unsere Besucher sollen sich hier wohlfühlen und gern Zeit bei uns verbringen.“
Vier Jahre hat es gedauert – von der Planung bis zur Eröffnung. Diese Zeit haben die Wertheraner das Projekt genau beobachtet und begleitet. Das Museum, in Trägerschaft des Kreises Gütersloh, hat davon rundum profitiert. Denn dank zahlreicher Förderer, Unternehmen aus Werther sowie privater Spender konnte das Budget verdoppelt werden. „Das Interesse war von Anfang an sehr groß, und das hat sich auch in den Besucherzahlen im ersten Jahr bestätigt. Rund 24.000 Museumsbesucher hatten wir seit der Eröffnung“, sagt Riedel.

Idyllisch liegt das neue Museum – ganz im Grünen und neben dem Wohnhaus des Künstlers.

Das historische Künstlerhaus kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Die Vision von David Riedel: Den Künstler erlebbar zu machen – auch außerhalb Werthers.

David Riedel beschäftigt sich gern mit den Werken von Peter August Böckstiegel. Sein Wunsch: den Künstler auch weit über Werther hinaus bekannt machen. Dafür sind auch gute Kontakte zu anderen Museen wichtig.

Böckstiegel malte sehr ausdrucksstark, wählte den nahen Blick auf die Dinge mit kräftigen Farben.

Selbstbildnis des Künstlers, 1913 Öl auf Leinwand

Das Museum ist ein sehr moderner Bau und bildet somit einen Gegenpol zum Künstlerhaus.

Ein Vermächtnis

Dem künstlerischen Leiter ist es nicht nur ein wichtiges Anliegen, Böckstiegels Kunst in Werther zu zeigen, sondern den Künstler auch weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt zu machen. Geplant sind immer drei Wechselausstellungen im Jahr in Werther und möglichst auch drei außerhalb. In diesem Jahr war und ist Böckstiegel in Passau, Apolda, Frankfurt und Aschaffenburg zu sehen. „Im Künstlerhaus zeigen wir immer Böckstiegel. Im Museum wollen wir den Künstler in Beziehung zu anderen stellen, zum Beispiel im Kontext mit seinen Freunden, mit Zeitgenossen oder Vorbildern“, erklärt David Riedel das Konzept. Der 37-Jährige hat als Kind einige Jahre in Werther gelebt. „Ich habe schon eine besondere Beziehung zu meiner Heimat und auch zum Künstler. Beruflich hat mich dieses neue Projekt gereizt. Böckstiegel wird in der Heimat sehr geschätzt. Sein Vermächtnis gilt es zu bewahren. Dieses Museum ist deshalb hier genau an der richtigen Stelle.“ Dass man ihn in Werther hin und wieder mit Böckstiegel anspricht, daran hat sich David Riedel gewöhnt – und ist insgeheim manchmal auch ein bisschen stolz darauf. „Manchmal wird man hier fast zum Gesicht des Hauses. Das ist einerseits schön, aber auch eine große Verantwortung. Ich freue mich aber sehr über die vielen positiven Rückmeldungen.“

Gedanklich in 2021

Für die Ausstellungen kann David Riedel auf einen großen Schatz zurückgreifen, wie er ihn selbst nennt. Rund 1.300 Werke von Böckstiegel schlummern gut gesichert und bei passendem Klima im Untergeschoss des Museums. Der künstlerische Leiter ist gedanklich in puncto Ausstellungen schon im Jahr 2021. „Diese Veranstaltungen brauchen einen gewissen Vorlauf. Manche Ideen ergeben sich anhand der Werke, die wir haben. Andere kommen mir durch ein Gespräch mit Kollegen in den Sinn. Bei meiner Arbeit kommt es auch auf ein gutes Netzwerk und einen regelmäßigen Austausch mit Kollegen an. So bekommen wir auch für unser Museum interessante Leihgaben aus privatem Besitz sowie aus bekannten Museen wie dem LWL-Museum in Münster. David Riedel stemmt den Museumsbetrieb nicht allein. Unterstützung bekommt er von einem kleinen Team und 15 freien Mitarbeitern, die sich hauptsächlich um die Führungen kümmern, sowie zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die mit enormer Begeisterung mit anpacken. „Ohne sie wäre das hier alles nicht möglich“, sagt David Riedel. 

Museum Peter August Böckstiegel
Schloßstraße 111
33824 Werther
Museumskasse Mi bis So 12 – 18 Uhr
Telefon (0 52 03) 29 61 220
Mehr unter: www.museumpab.de