Mit der Sonne vom Dach tanken!

Die fünfköpfige Familie Ellerkamp aus Werther ist seit 2014 elektrisch unterwegs.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 hat Familie Ellerkamp umgedacht. „Das hat mich richtig wachgerüttelt. Als Vater dreier Kinder“, so Lars Ellerkamp, „konnte ich mit der damaligen Energiepolitik nicht mehr leben.“ Gesagt getan: In einem ersten Schritt kam eine PV-Anlage aufs Dach des Einfamilienhauses, die den Jahres-Stromverbrauch fast ausschließlich selbst generiert. Seit 2014 fungiert sie auch als Tankstelle für den ersten Elektrowagen der Familie, einen Nissan LEAF, der den alten Zweitwagen ersetzte. Geladen wird der leise Flitzer ausschließlich im eigenen Carport und benötigt mit der selbst installierten Wallbox knapp 4,5 Stunden, bis er wieder voll ist.

Traumwagen

Nach den positiven Erfahrungen mit dem ersten Elektrowagen erfüllte sich Lars Ellerkamp kurze Zeit später auch noch seinen Wunsch nach einem schnellen Traumwagen. „Ein Benziner oder Diesel mit zweistelligem Verbrauch passte nicht mehr zu unserer Ressourcensparhaltung“, so der 54-jährige Elektroingenieur. Folgerichtig suchten die Ellerkamps nach einem Elektroauto, das auch weite Strecken schaffen konnte. „Bei diesen Vorgaben blieb dann nur das Tesla Model S übrig“, erklärt der E-Auto-Fan, „weil es mit maximal 500 km Reichweite und vor allem dem Schnellladenetz die einzige aktuell funktionierende Lösung ist. Die Anschaffungskosten hätten wir noch vor ein paar Jahren niemals in Betracht gezogen, aber mit dem Wunsch, auch die Langstrecken umweltfreundlich zu fahren, war dies die einzige Lösung.“ Da der Tesla mit acht Jahren Antriebsgarantie angeboten wird und mit der mindestens gleichen Einsparung wie beim LEAF zu rechnen ist, sparen wir in diesen acht Jahren an Benzin und Reparaturen sowie Wartung mindestens 16.000 Euro ein. Das macht dann den Anschaffungspreis akzeptabler.“

Die Sonne lädt

„Unsere Arbeitswege-Energiebilanz liegt aktuell bei circa 23 Kilowattstunden Tagesbedarf für beide Autos, was wir im Sommer auch selbst mit der Fotovoltaik-Anlage erzeugen können“, rechnet Lars Ellerkamp vor. Der LEAF wird bei jedem Parken im Carport angeschlossen und nachgeladen und nutzt somit am besten die direkte Fotovoltaik-Energie. Für den Tesla soll demnächst ein Energiespeicher angeschafft werden, der dann nach Feierabend die restliche Tagesenergie zur Verfügung stellt. Hier sieht der 54-Jährige aber auch die Energieversorger in der Pflicht: „Wenn die regenerativen Energien noch weiter ausgebaut werden, was ich für unabdingbar halte, müssen hier in Zukunft Lösungen für Energiepuffer gefunden werden.

Überall Strom „tanken“ und einfach bezahlen

Um einen Ausbau der Elektromobilität zu fördern, ist vor allem ein Ausbau der Ladeinfrastruktur nötig, einhergehend mit einem einheitlichen Bezahlsystem. „Wenn an fast jedem Parkplatz nachgeladen werden kann, ist das Argument der Ladegeschwindigkeit kaum noch entscheidend“, so der E-Mobilitätsexperte. „Dass die EWG Überlegungen zur Erweiterung der Ladeinfrastruktur in Werther anstellt, ist gut. Die EWG-Vision, in jeder Straßenlaterne, die einen Parkplatz in der Nähe hat, eine Schukosteckdose zu installieren“ hält er für eine brillante Idee. „Und“, geht er noch einen Schritt weiter, „mit den neuen Technologien wie Handybezahlsysteme sollten mindestens deutschlandweit einheitliche Lösungen geschaffen werden. Aktuell ist bezahltes Nachladen noch das größte Ärgernis wegen der vielen unterschiedlichen Abrechnungssysteme.“

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Mutter Gabriele Ellerkamp und Sohn Jörn, Lars Ellerkamp und Tochter Julia vor der Fahrzeugflotte. Tochter Jasmin, die in Aachen studiert, nutzt nur selten bei Besuchen die Fahrzeuge. Überzeugt sind sie aber alle davon.

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Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt ausreichend Strom und betankt die Autos gleich mit.

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Die selbst installierte Wallbox im Carport

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Der Tesla ist in acht Stunden wieder aufgeladen und bereit für die nächsten 500 Kilometer.