Sicheres Netz

Wenn Stefan Egerland und Dirk Heidemann an die Arbeit gehen, bedeutet das: Freileitungen in Werther werden abgebaut.

Stefan Egerland liebt es, zu wandern. Nicht etwa privat, nein beruflich. Es gehört zu seinem Job. „Ich nenne es dienstliches Wandern“, sagt der 53-Jährige. Und das unterscheidet sich von einer Freizeitwanderung. „Der Blick eines Freileitungsmonteurs ist hauptsächlich nach oben gerichtet“, erklärt Egerland. Die Wege führen die Freileitungsmonteure durch Felder, Wiesen, Wälder. „Je nach Wetterlage sind schon mal Gummistiefel gefragt“, sagt Egerland.

1,5 Kilometer Kabel, 14 Masten

Stefan Egerland und Dirk Heidemann haben die Gummistiefel auch heute dabei. Sie schlüpfen hinein und inspizieren in Theenhausen den nächsten Teilabschnitt des Freileitungsnetzes, den sie im Sommer zurückbauen. 1,5 Kilometer Fußmarsch liegen vor ihnen, dabei schauen sie sich nicht nur die 14 Freileitungsmasten genau an. „Wir achten auf viele Details, zum Beispiel: Wo stehen die Masten? Wie viel Platz haben wir in der Umgebung? Wie nah ist die nächste Straße? Gibt es Ampeln oder Kreuzungen? Das sind wichtige Informationen, nach denen wir den Rückbau planen“, erklärt der Freileitungsmonteur.

Strom fließt schon unterirdisch

Der 53-Jährige liebt die Abwechslung an seinem Beruf. „Die Vorbereitungen erledige ich am Schreibtisch. Dafür stehe ich im Austausch mit den Kollegen von der Grundsatzplanung, der Bauplanung und der Bauausführung, die bereits die neuen Stromleitungen geplant, in die Erde gelegt und ins Netz eingebunden haben“, erläutert der 53-Jährige. Das bedeutet: Durch die Freileitungen fließt kein Strom mehr. Die Versorgung in Theenhausen läuft schon über neue Erdkabel. Das macht die Stromversorgung in Werther insgesamt noch sicherer.

Stefan Egerland baut mit seinen Kollegen Freileitungen in Werther zurück. Dazu gehören Arbeiten in luftiger Höhe und dienstliches Wandern.

Zuerst lassen die Freileitungsmonteure die Stromleitungen herab. Danach demontieren sie alle anderen Teile.

Mit Fernglas, Rucksack und in Gummistiefeln macht sich Stefan Egerland auf den Weg zu den Freileitungen.

Beim Rückbau geht es hoch hinaus

Im Sommer soll in Theenhausen die 1,5 Kilometer lange Freileitungsstrecke zurückgebaut werden. „Das ist bei trockenem Wetter einfacher. Auf nassem Boden lässt sich das schwere Gerät wie der Hubsteiger nicht gut bewegen“, sagt Dirk Heidemann.

Der Abbau verläuft nach einem festgelegten Plan. Die Freileitungsmonteure fahren mit dem Hubsteiger nach oben und lösen die Seile sowie alle Verbindungsmittel wie Abspannklemmen oder Isolatoren an den Masten. Teilweise müssen sie kurzzeitig Straßen sperren, um die Seile herunterzulassen. Diese werden anschließend per Hand aufgerollt. Dabei kommen so einige Tausend Meter Seil zusammen.
Anschließend werden die Masten per Zuggerät aus dem Boden geholt. Die meisten sind aus Holz, das erledigen die Freileitungsmonteure selbst. Der erste und letzte Mast in einer Reihe besteht aus Beton oder Stahl, weil sie die meiste Zugkraft tragen. Ihren Abbau übernehmen Spezialfirmen.
Ist alles erledigt, steigen Stefan Egerland und Dirk Heidemann noch einmal in die Wanderstiefel. Sie vergewissern sich, ob der Rückbau ohne Schäden gut funktioniert hat.


Werther ist Top

Im Jahr 2019 fiel in Bielefeld und Werther der Strom im Durchschnitt für 5,42 Minuten aus. Bundesweit waren es 12,12 Minuten.

Foto ganz oben: Stefan Egerland (li.) reicht Dirk Heidemann den Spannungsprüfer um die Spannungsfreiheit der Freileitung festzustellen.
Fotos: Martin Brockhoff, EWG Werther