Voneinander lernen

Mit dem Tablet einen Flug buchen, Fotos richtig speichern, den Drucker anschließen – in Werther machen Schüler Senioren digital fit.

Wisch und weiter – so lautet das Motto des Projekts, bei dem Schüler Senioren in die digitale Welt begleiten. Initiator Jochen Dammeyer hat in der Vergangenheit schon einige Computerkurse für Senioren angeboten. „Am Ende habe ich festgestellt: Die Fragen, Bedürfnisse und Vorkenntnisse sind einfach zu individuell. Deshalb waren die Teilnehmer nach dem Kurs nicht rundum zufrieden. Daher habe ich nach einem anderen Format gesucht“, sagt Dammeyer.
Also hat er sich an seinen Computer gesetzt und im Internet recherchiert. Dort fand er die Lösung, die bereits in Stuttgart von einer Gruppe erfolgreich praktiziert wurde: Schüler bilden mit Senioren Tandems und helfen ihnen in einer individuellen Lernsituation weiter. Gesagt, getan.

EWG beteiligt sich

„Zuerst habe ich mich auf die Suche gemacht nach interessierten Jugendlichen in Werther, die Freude daran haben, älteren Menschen etwas zu erklären“, so Dammeyer. Er nahm Kontakt zu verschiedenen Schulen auf, machte Werbung für die Idee. Susanne Spindler, Lehrerin am Evangelischen Gymnasium Werther, war sofort begeistert. Sie betreut die Medienscouts an ihrer Schule. „Das sind Jugendliche, die eine besondere Ausbildung machen und damit ihren Mitschülern helfen, sich sicher in sozialen Netzwerken zu bewegen, persönliche Daten richtig zu sichern, aber auch in Sachen Cybermobbing Ansprechpartner sind.“
Gleichzeitig fand Jochen Dammeyer einige Sponsoren, damit die Schüler für ihre Arbeit auch ein kleines Taschengeld erhalten. Auch die EWG fördert Wisch und weiter. „Wir von der EWG haben uns sofort beteiligt. So ein tolles Projekt muss man einfach unterstützen“, sagt Volker Nau, EWG-Geschäftsführer.

14 Tandems

Über das Haus Tiefenstraße und mithilfe von Gemeindepädagogin Claudia Seidel fanden sich schließlich die Senioren. Nach der Auftaktveranstaltung im Haus Tiefenstraße ergaben sich insgesamt 14 Tandems, zum Beispiel Schüler Thomas und Rentner Heinrich Heining. „Ich habe meine Wünsche formuliert, und Thomas hat das Stück für Stück mit mir besprochen und jede Frage beantwortet“, sagt Heining. Der Rentner hatte zwar beruflich auch schon Berührung mit dem Computer, doch so richtig kann er erst jetzt damit umgehen. „Thomas hat mir geholfen, meine Programme und Dateien vernünftig zu sortieren. Als 70-Jähriger ist man bei solchen Sachen nicht mehr so auf Ballhöhe und stößt an seine Grenzen. Die Idee, es statt eines Kurses, auf diese Art erklärt zu bekommen, das hat mir gut gefallen.“

Getroffen haben sich die Tandems nach dem Kennenlernen selbstständig. Zehn Termine haben sie vereinbart. „Wir wollten es den Partnern überlassen, wie sie miteinander arbeiten, und so wenig wie möglich vorgeben“, sagt Jochen Dammeyer. „Die Schüler haben sich perfekt auf die Senioren vorbereitet. Manche haben die einzelnen Vorgehensweisen in Form einer Bilderstrecke mitgebracht“, sagt Lehrerin Susanne Spindler. „Wir Senioren waren alle sehr zufrieden. Es war ausgesprochen einfach und angenehm mit den Schülern. Es wäre toll, wenn es eine Fortsetzung gäbe“, sagt Heinrich Heining. Die wird es geben – ist sich Organisator Jochen Dammeyer sicher. Denn alle Beteiligten haben ihm bereits zugesichert: „Wir machen weiter.“ 

Lehrerin

Lehrerin Susanne Spindler, Initiator Jochen Dammeyer und Claudia Seidel vom Haus Tiefenstraße freuen sich schon auf die Fortsetzung des Projekts.

Jochen

Jochen Dammeyers (links) mit Volker Nau von der EWG. Seine Idee: Hemmschwellen bei Senioren abbauen im Umgang mit Smartphone, PC & Tablet.

Heinrich

Heinrich Heining, Teilnehmer des Projekts