Mehr Schiffs-Unfälle durch Windenergie?

Windräder sprießen wie Pilze aus dem Meeresboden. Für die Energiewende sind sie wichtig. Doch Flensburger Nautiker befürchten, der Bauboom vor der Küste könne zu einem Verkehrs-Chaos führen.

Forscher der FH Flensburg warnen vor einer Zunahme von Schiffskollisionen. Je mehr Windräder auf See errichtet würden, desto größer seien die Gefahren für die Schiffe. Vor allem die steigende Zahl von Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht sei ein Risiko: Denn bereits jetzt seien die deutschen Gewässer voll. Jährlich durchkreuzten rund 150.000 Schiffe das Gebiet. In kaum einem anderen Seegebiet herrsche mehr Betrieb.

Flensburger Nautiker fordern Einbahnstraßen

Laut Nautik-Professor Pawel Ziegler von der FH Flensburg sehen einige Kapitäne beim Blick aus ihrem Brückenfenster vor lauter Windrädern schon jetzt den Verkehr nicht mehr. Ziegler fordert daher Einbahnstraßen, auf denen es keinen unmittelbaren Gegenverkehr gibt.

Wenn Sie bei widrigen oder auch schon guten Wetterverhältnissen aus dem Brückenfenster schauen und vor lauter Windenergieanlagen den Verkehr gar nicht mehr sehen, der Ihnen da von Steuerbord in die Quere kommt, dann haben Sie ganz schlecht die Möglichkeit, diesen Verkehr überhaupt zu identifizieren, geschweige denn, Ihr Ausweichmanöver zu planen, erklärt Ziegler.

Gefährdung durch Windparks umstritten

Erst im Februar dieses Jahres kam es in der Deutschen Bucht zu einem Schiffsunfall. Im Windpark Bard 1 kollidierte ein Versorgungsschiff mit dem Fundament eines Windrads. Dabei wurde laut der Wasserschutzpolizei Emden die Bugspitze des Schiffs schwer beschädigt. Die sechsköpfige Crew blieb unverletzt.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hält Offshore-Windräder trotzdem nicht für gefährlich, wie das Amt im März gegenüber der dpa betonte. Windparks würden nur genehmigt, wenn sie außerhalb vielbefahrener Schifffahrtsrouten liegen. Bei dem Unfall im Februar sei das Baustellenschiff ausschließlich von einem Autopiloten gesteuert worden. Die Mannschaft hielt sich unter Deck auf.