Integration: nichts für Dünnbrettbohrer

Der Fahrradunterstand für die Flüchtlinge in der Weststraße nimmt Gestalt an. Helfende Hände gibt es reichlich, Solidarität ebenfalls.

Das Projekt der Ökumenischen Flüchtlingsinititative (OEFI), gefördert aus dem Jubiläums-Spendentopf der Elektrizitätsversorgung Werther (EWG), wird tatkräftig vorangetrieben – von den Flüchtlingen selbst, fachlich unterstützt von Hagen Franke, Zimmermeister aus Versmold. Wöchentlich treffen sich die jungen Syrer in seiner Werkstatt in Bockhorst und schneiden das heimische Lärchenholz zu, aus dem zunächst ein Fahrradunterstand entsteht, später noch ein offenes Häuschen als Kommunikationstreffpunkt.

Viele wollten mitmachen

„Es haben sich so viele Flüchtlinge gemeldet, die bei mir mit anpacken wollten“, sagt Hagen Franke, „aber mehr als zwei oder drei, das macht einfach keinen Sinn, da steht man sich in so einer Werkstatt nur gegenseitig im Weg.“ Diad, Abdul und Radwan heißen die drei, die jetzt einmal pro Woche die soliden Balken, beschafft mit den Mitteln aus der EWG-Jubiläumsspende, ins richtige Maß bringen. Das langlebige Lärchenholz ist pflegeleicht und verspricht eine stabile Konstruktion in naturbelassener Optik.

Schnelle Fortschritte

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„Die gemeinsame Arbeit läuft noch schneller und besser, als ich erwartet hatte“, lobt der Zimmermeister. „Meine Helfer gehen mit großem Elan und Begeisterung an die Arbeit und können auch gut mit Material und Werkzeug umgehen.“ So war nach dem ersten Arbeitstreffen schon ein großer Teil des Zuschnitts erledigt. Werner Glenewinkel von der OEFI freut sich über die schnellen Fortschritte: „Wenn es weiter so gut läuft, könnte der Fahrradunterstand schon zu unserem Herbstfest am 25. Oktober stehen!“

Über 70 Flüchtlinge

Die Unterkunft an der Weststraße ist inzwischen, so Werner Glenewinkel, hart an der Grenze ihres Fassungsvermögens. Weit über 70 Flüchtlinge leben hier auf engstem Raum, mit ganz unterschiedlicher Herkunft, Religion und Vorgeschichte. „Da kann es naturgemäß zu Konflikten und Aggressionen kommen“, so die Erfahrung von Werner Glenewinkel. Hier wünscht er sich etwas mehr Sorgfalt und Flexibilität von den Behörden: „Die kulturellen Grenzen müssen mehr respektiert werden. Etwa bei der Zimmerbelegung sollte es einfacher sein, beispielsweise vier Eritreer gemeinsam unterzubringen statt die Bewohner willkürlich oder zufällig zu mischen.“

Wertheraner engagieren sich

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Mit der Zahl der Flüchtlinge wächst aber auch das Engagement der Wertheraner. Werner Glenewinkel: „Die Willkommenskultur funktioniert! Wir registrieren bei der OEFI eine wahre Flut an Interesse und Hilfsbereitschaft. Wir haben schon alle Hände voll zu tun, allein die Fahrradspenden anzunehmen und die Verteilung zu koordinieren. Und unsere Gruppe bei der OEFI hat sich unglaublich vergrößert.“ Darüber ist er besonders froh, denn: „Unsere Aufgaben werden sicher nicht weniger werden. Uns allen ist klar, dass die herzliche Aufnahme nur ein Anfang war. Die eigentliche Arbeit der Integration beginnt jetzt.“

Wer die Ökumenische Flüchtlingsinititative (OEFI) unterstützen will, wendet sich an Ellen Oberrath als Vertreterin der katholischen Gemeinde oder an Silke Beier über das Evangelische Gemeindebüro, Telefon 05203 296970.