Zwischen Konsum und Verzicht: Fastenzeit im Haus

Der erste Gedanke richtet sich beim Stichwort „Fastenzeit“ auf Essbares oder Getränke. Wir zeigen Ihnen, wie fasten auch im Haushalt funktioniert.

Als Fastenzeit wird per Definition der Zeitraum bezeichnet, der vierzig Tage vor Ostern beginnt und auch Passionszeit genannt wird. Das heißt: Die hoch-offizielle Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet in der Karwoche, die Ostern einläutet. Wohlwissend, dass es diesen Rahmen der Fastenzeit gibt, finden sich heute unzählig viele Varianten des Fastens.

Der erste Gedanke richtet sich beim Stichwort „Fastenzeit“ meistens auf Essbares oder gar Getränke: So verzichtet manch einer in der Fastenzeit auf üppige Fleischmahlzeiten, andere auf Süßigkeiten oder Alkohol. Im Fokus steht der Verzicht auf etwas, das eigentlich zum Leben dazugehört – und zwar um eine neue Form der Wertschätzung für das „Gefastete“ zu erfahren. Wie die Fastenzeit im Haushalt funktionieren könnte, dafür liefert der folgende Beitrag einige Inspirationen.

Elektro-Fasten spart zusätzlich Energie

Mal abgesehen von den elektronischen Geräten, die beispielsweise beruflich nötig sind, ist es durchaus denkbar, zu Hause ein Elektro-Fasten einzulegen. Wie das funktionieren könnte, zeigt diese Liste:

  • Den Fernseher bewusst auf „off“ zu stellen, kann ganz neue Möglichkeiten der Abendgestaltung eröffnen. Wie wäre es stattdessen zum Beispiel mit der Lektüre eines guten Buches oder mit einem gemeinsamen Spiel. Wer nicht ganz auf die geliebte Nicht-Mehr-Flimmerkiste verzichten kann und will, sollte zumindest den Fernseh-Konsum im Schlafzimmer überdenken. Hängt dort ein Fernseher, bringt dieser nämlich Vor- und Nachteile gleichermaßen mit sich.
  • Digitale Gerätschaften ganz auszuschalten, ist ein drastischer Schritt, den nur Wenige gehen und dann auch durchhalten. Grundsätzlich funktioniert das Mobile-Fasten mit ganz unterschiedlichen Grundregeln. Für viele ist der komplette Verzicht unmöglich, beispielsweise dann, wenn sie ihr Smartphone oder Tablet beruflich benötigen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, nach der regulären Arbeitszeit ganz bewusst den häufig vergessenen Ausschalter zu betätigen. Wer jedoch ausschließlich privat mobil ist, könnte sich selbst Offline-Zeiten verordnen, also quasi temporäres Smartphone-Fasten.
  • Licht-Fasten kann mitunter ganz schön romantisch sein. Immer dann, wenn statt dem Fingerdruck auf den Lichtschalter die Kerze angezündet wird, wirft der flackernde Kerzenschein sicherlich ein schöneres Licht – und kann auch mal ein romantisches Flair in den Raum zaubern. Zudem hat das Licht-Fasten einen positiven Nebeneffekt, denn: Anstatt überall und ständig Kerzen anzuzünden und wieder auszupusten, überlegen sich viele zweimal, ob eine Lichtquelle überhaupt benötigt wird. Zudem wird die Nacht durch Licht-Fasten wieder in ihrer ganzen Pracht sichtbar.

Auch wenn es zunehmend mehr Techniken gibt, die helfen, bei ganz alltäglichen Alltagsdingen Energie einzusparen, so birgt doch eine absolute Abstinenz immer noch das größte Einsparpotential. Wer Fernseher und Licht auslässt und mobile Geräte seltener ans Stromkabel hängt, spart unterm Strich also auch noch Geld.

Solche Bilder könnten in der Fastenzeit für viele tabu sein. Weder das Naschen noch das Zappen ist dann erlaubt.

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Ein Leben ohne Smartphone ist heute kaum mehr denkbar. Beim Elektro-Fasten kann der Verzicht trainiert werden.

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Licht aus. Kerze an. So funktioniert Licht-Fasten, was sich auch positiv auf die Stromrechnung auswirken könnte.

Konsum-Fasten passt nicht zu jeder Lebenssituation

Natürlich gibt es Zeitpunkte, zu denen das Konsum-Fasten eine Form der Selbsterfahrung sein kann und wieder andere Zeitpunkte, in denen die Nicht-Anschaffung einen massiven Einschnitt bedeuten würde. Dann hilft es, abzuwägen und Kompromisse zu finden. Eine Variante des Konsum-Fastens könnte der zeitweise Verzicht auf Plastik sein.

Praxis-Beispiel: Der Umzug in die erste, eigene Wohnung

Wer seine erste Wohnung bezieht, muss meist investieren. Vielleicht kann dieser Konsum reduziert werden, Anschaffungen fallen aber in jedem Fall an – meist für die Gestaltung der Wohnung, aber auch um diese einzurichten. Im Vorteil sind jene, die einiges an Einrichtungsgegenständen aus der elterlichen Wohnung mitnehmen dürfen und somit quasi die Grundausstattung vielleicht schon in weiten Teilen zusammenhaben. Wer lediglich mit Kleidung und persönlichen Gegenständen im Gepäck auszieht, der muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dann ist Konsum-Fasten nahezu unmöglich, denn Schlafen und Essen sind menschliche Grundbedürfnisse, die es zu stillen gilt – und zwar im Bett und in der Küche.

Praxis-Beispiel: Familiengründung

Kündigt sich der langersehnte Nachwuchs an, ist es die falsche Zeit, Konsum-Fasten in Betracht zu ziehen. Um die Ansätze der Fastenzeit nicht gänzlich über den Haufen werfen zu müssen, kann es beispielsweise eine gute Idee sein, zunächst nicht alles neu anzuschaffen, was benötigt wird. So wird aus dem Konsum-Fasten der bewusste Verzicht auf Neues und das wiederum bedeutet, einen nachhaltigen Lebensstil zu verfolgen. Die meisten Dinge, die ein Baby in den ersten Lebensmonaten braucht, sind nämlich vor allem eins: Teuer in der Anschaffung und unnütz, wenn sie (nach kürzester Zeit) nicht mehr gebraucht werden. Wer mit seiner Familienplanung abgeschlossen hat, versucht dann die Babysachen zu verkaufen – und freut sich, zumindest einen Teil des Investments wiederzubekommen.

Fazit: Konsum-Fasten ist reine Auslegungssache. Es gibt unzählig viele Lebenssituation, die dazu dienen können, Konsum-Fasten als „zeitlich nicht passend“ zu verwerfen. Es gibt aber auch Gestaltungsspielräume in der Fastenzeit, die es einem ermöglichen, den bewussten Verzicht so umzusetzen, wie er am besten in die aktuelle Lebensphase passt. Das bedeutet in jedem Fall mehr Einsatz für die Fastenzeit als die Ansätze gänzlich über Bord zu werfen.